Ek Balám und die Cenote Maya

Ek Balám bedeutet in der Sprache der Maya soviel wie „Stern des Jaguar“. Die kleine Ruinenstadt mitten im Urwald ist scheinbar noch recht unbekannt und dadurch hat man hier noch relativ Ruhe um sich die tollen Ruinen anzusehen ohne von Menschenmassen gestört zu werden.

Ek Balám – Klein aber so schön

Vom Parkplatz aus führt einen ein schön angelegter Weg zuerst zu einem kleinen Kassenhäuschen und von dort weiter in ein scheinbar undurchdringliches Dickicht. Noch bevor wir hier die ersten Ruinen zu Gesicht bekamen hielten wir an einem Hügel. Ein paar Steine, ein paar Bäume und jede Menge Buschwerk. Auf den ersten Blick ist das erstmal nichts besonderes, aber dieser Hügel war tatsächlich einmal ein Gebäude. So wie all die anderen Hügel in der Umgebung, denn auf Yucatán gibt es keine natürlichen Hügel oder Berge. Ich fand das sehr interessant, denn in diesem „Haufen“ konnte auch mit viel Fantasy wirklich kein Gebäude entdecken.

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Der Weg nach Ek Balám

Erst seit 1997 werden die Ruinen von Ek Balám freigelegt, die sich in der Nähe von Valladolid befindet. Der Wiederaufbau gleicht dabei einem riesigen Puzzlespiel. Umso erstaunlicher ist es, wie viel bereits geschafft wurde. 

Die Stadt wird, wie wohl jede der alten Mayastädte, durch einen viereckigen Mayabogen betreten. Heutzutage kann man natürlich auch darum herum laufen. Danach steht man auch schon mitten im freigelegten Areal. Dadurch, dass hier nicht so viel los ist wie bei anderen Mayaruinen empfand ich das Ganze als sehr entspannt. 

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Mayabogen und Eingang in die Stadt

Langsam arbeitet man sich durch das doch recht überschaubare Gebiet, bis man schließlich das Herzstück, den Herrscherpalast, erreicht.

Der Herrscherpalast ist riesig. Eine steile Treppe führt in 32 m Höhe, die man auch erklimmen kann (und sollte!). Der Aufstieg ist allerdings einfacher, als man es von unten erst erwartet.

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Der Herrscherpalast von Ek Balám

Auf halbem Weg nach oben kommt man auf ein Plateau von dem aus man das wundervolle Relief aus nächster Nähe bewundern kann. Es ist das Grab des Königs und perfekt erhalten. Das Grab ist so toll erhalten, da die Bewohner von Ek Balám es hinter einer vorgesetzten Wand versteckt hatten, diese hat es auch gegen den Zahn der Zeit geschützt.

Das Relief zeigt das Maul des „Erdenmonsters“ durch den die Toten in die Unterwelt kommen. Solange seine Augen offen sind, ist auch das Maul geöffnet, deswegen sitzt in jedem Augen auch eine Figur, die es offen hält. So ist das König nicht ganz verloren. Die Geschichte wurde mir vor Ort erzählt und hat mich sehr begeistert.

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Das Grab des Königs

Von der Ebene, auf der man das Grab bestaunen kann, hat man auch schon einen ersten Blick auf die umliegenden Gebäude und das Grün des Urwalds um einen herum. Aber noch ist es ein ganzes Stück bis ganz oben. Die Eben eignet sich daher auch recht gut, um einmal kurz durchzuschnaufen, bevor es weiter an die Spitze geht.

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Auf halbem Weg bis zur Spitze
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Blick auf die Ruinen

Für Menschen, die einen gewissen Respekt vor Höhen haben, ist der Aufstieg bzw. der Blick nach unten wohl nicht zu empfehlen. Schließlich geht es bis auf 32 m über dem Boden und die Stufen sind, wie bei wohl bei allen Ruinen, sehr unterschiedlich in der Stufenhöhe. 

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Der Weg nach unten

Wer den Aufstieg allerdings bewältigt, der wird mit einem unglaublichen Ausblick belohnt. Für mich ist es immer eins der schönsten Erlebnisse, wenn sich unter mir die Landschaft (oder eine Stadt) ausbreitet. So weit das Auge reicht sieht man hier über den grünen Urwald, nur durchbrochen von einigen wenigen beeindruckenden Gebäude. Ich hätte ewig dort oben stehen können. 

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Aussicht vom höchsten Punkt des Palastes

Der Abstieg ist dann allerdings noch einmal eine Herausforderung. Durch die unregelmäßigen Stufen geht es ganz schön in die Beine. Man sollte die „Klettertour“ in keinem Fall unterschätzen. Zur Not auf den Hintern setzen und so Stufe für Stufe nach unten Rutschen. Auch wenn es lustig aussieht, kommt man so zumindest sicher unten an. Ich habe auch mehrere Leute gesehen, die es so gemacht haben.

Die Cenote Maya und meine Angst vor der Tiefe

Ganz in der Nähe von Ek Balám befindet die Cenote Maya. Ein riesiges Loch im Kalkstein, welches einem Zugang zu den weit verzweigten Wasserreservoirs der Yucatán-Halbinsel bietet. Ich durfte bereits in den Tagen zuvor einige Cenoten bestaunen, aber die Ausmaße der Cenote Maya haben mich dann doch staunen lassen. Wer also der Mayastadt einen Besuch abstattet, der sollte sich auch die Cenote nicht entgehen lassen.

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Segnung durch den Schamanen

Cenoten sind für die Maya der Eingang in die Unterwelt, daher wurden wir, bevor es zum Einstieg ging, von einem Schamanen empfangen. Dieser gab uns einen traditionellen Segen in der Sprache der Maya, damit wir der Unterwelt auch wieder wohlbehalten entsteigen konnten.

Und dann ging es schließlich zur Cenote. Schon bei den Umkleiden wurde ich langsam hibbelig, denn der Einstieg in die Cenote sollte etwas ganz besonderes werden.

Hattest du das auch schon Mal? Du hörst von etwas und denkst dir „Wie cool ist das denn?“ Doch je näher der Moment der Wahrheit kommt umso flauer wird dir im Magen. Genau so ging es mir in diesem Moment. Das Besondere an der Cenote Maya ist nämlich, dass du dich hier ins Wasser abseilen kannst! Wie geil ist das denn bitte?!

Man bekommt eine kurze Instruktion wie das mit dem Abseilen funktioniert, dann bekommt jeder Abenteuerlustige einen Klettergurt um und ab geht es zur Plattform am Loch. Bis dahin war auch noch alles gut, aber dann gab es einen ersten Blick in die Tiefe…

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Abseilen in die dunkle Tiefe (Foto von Alltournative)

22 m geht es in die Tiefe und unten im Dunklen glitzert das schwarze Wasser. Oh! Mein! Gott! In diesem Moment habe ich mich schon gefragt, auf was ich mich da eingelassen habe. Kurzfristig war ich bereit alles abzublasen, aber mit ein bisschen gutem Zureden unseres Tourguides habe ich meine Angst beiseite geschoben, bin auf die Plattform und habe mich tapfer in die Tiefe „gestürzt“. 

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Auf halber Strecke in die Cenote (Foto von Alltournative)

Die ersten 2-3 m bin ich trotzdem tausend Tode gestorben, aber nachdem ich gemerkt habe, dass ich dem Seil vertrauen konnte und das Ganze doch irgendwie gar nicht so schwer war, war es ein mega geiles Erlebnis. Ich war jedenfalls schwer begeistert und am liebsten hätte ich es gleich noch einmal gemacht, das ging leider nicht. So allerdings konnte ich noch ein bisschen im glasklaren (kalten) Wasser schwimmen. Wer daran Spaß hat, der kann auch noch von einem Turm springen, schließlich ist die Cenote teilweise bis zu 50 m tief.

Natürlich wird niemand dazu gezwungen, sich in die Tiefe abzuseilen. Diejenigen, die dies (aus welchen Gründen auch immer) nicht wollen oder können, können die Cenote über eine große Treppe betreten.

Ein bisschen schade war, dass ich selbst keine Fotos machen konnte, da mir eine Befestigung für Kopf oder Brust für die GoPro gefehlt hat und anders durfte man sie nicht mitnehmen.

Ich habe es geschafft meine Angst zu überwinden und hatte dadurch eines der tollsten Erlebnisse meiner Mexikoreise. Hattest du auch schon einmal eine Situation, in der du Angst vor deiner eigenen Courage bekommen hast? Was hast du gemacht?

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