Es ist einer meiner größten Wünsche Wale zu sehen. Am liebsten Buckelwale, denn diese Tiere faszinieren mich einfach. Von diesem Wunsch habe ich sehr vielen Menschen erzählt, Fremden wie Freunden, und fast immer bekam ich die gleiche Aussage:

Wenn du Wale sehen willst, dann flieg nach Vancouver Island!

Und genau diese Aussagen waren der erste Funke, der mich zu den Planungen für meine Reise nach Kanada veranlasste.

Seit ich 1998 zum ersten Mal mit meinen Eltern nach Kanada, damals in den Osten, geflogen bin, war da der Wunsch Buckelwale zu sehen. Damals haben wir eine erfolglose Whale Watching Tour mitgemacht. Seit damals habe ich, immer wenn es möglich war, versucht eine Whale Watching Tour mitzumachen. Jedesmal blieb die Suche jedoch erfolglos. Fast war es wie ein Fluch, der seinen Höhepunkt für mich in Neuseeland bekam, wo ich in Kaikoura (größte Chance ever Pottwale zu sehen) erneut enttäuscht wurde.

Zum Glück habe ich den „Fluch“ schließlich in Auckland brechen können und so habe ich beschlossen es in Kanada noch einmal mit den Buckelwalen zu versuchen.

Das Whale Watching sollte eines der ersten Dinge sein, die ich in Kanada machen wollte und es war auch das Einzige, was ich neben dem Hotel in Vancouver und dem Mieten des Campers von zu Hause aus organisiert habe. Entschieden habe ich mich für eine Tour von Telegraph Cove aus, von der ich sehr viel positives gelesen hatte und hoffte auf das Beste.

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Überfahrt mit der Fähre von Tsawwassen nach Nanaimo (Vancouver Island)

Wale auf Vancouver Island – Zwischenstop in Qualicum Bay

(Fahrstrecke 106 km)

Direkt nach der Übernahme des Campers ging es auf die Fähre von Tsawwassen nach Nanaimo (Duke Point). Am liebsten wäre ich direkt hoch in den Norden gefahren, aber die fortschreitende Uhrzeit und der notwendige Ersteinkauf zwangen mich dazu bereits in Qualicum Bay mein „Nachtlager“ aufzuschlagen.

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Sonnenuntergang in Qualicum Bay

Im Nachhinein kann ich sagen „Zum Glück!“ denn der Sonnenuntergang war das erste große Highlight meiner Reise. Ich wusste ehrlich nicht, dass ein Himmel so aussehen kann. Ich liebe Sonnenuntergänge und genieße sie bei jeder Gelegenheit, aber soetwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Die Farben waren einfach unglaublich und hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich sagen, das ist nicht echt! Aber ich schwöre dir, die Fotos sind ohne Filter und in Lightroom nur mit Standart-Einstellungen aus dem RAW-Format entwickelt worden!

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Sonnenuntergang in Qualicum Bay

Wale auf Vancouver Island – Gen Norden nach Telegraph Cove

(Fahrstrecke 328 km)

Fast 330 km ging es dann an der Küste entlang immer nach Norden. Auf ungefähr halber Strecke passiert man die letzte größere Stadt Campbell River, die bei Touristen auch recht beliebt ist. Danach folgt man der einzigen Straße (dem Highway 19) in den immer einsamer werdenden  Norden von Vancouver Island. Die Straße nach Telegraph Cove schließlich machte auf mich den Eindruck vollkommen falsch zu sein (ich wollte schon umkehren…). Wer Ruhe und Einsamkeit sucht, der findet diese definitiv in dieser Gegend (zumindest in der Nebensaison).

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Telegraph Cove

Telegraph Cove ist ein kleines, sehr beschauliches Dorf, welches nur aus ein paar kleinen Häusern besteht. Ein Holzsteg führt um die Bucht und zu den Häusern, die auf Pfählen gebaut in den Hafen ragen.

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Sonnenuntergang in Telegraph Cove

Fast war mir das ganze etwas zu idyllisch… fast… denn eigentlich wollte ich doch genau diese Abgeschiedenheit. Deswegen war ich schließlich in Kanada.

Wale auf Vancouver Island – Wenn Träume wahr werden

Die Vorfreude war groß und gleichzeitig war da diese leise zweifelnde Stimme. Würde ich wirklich Wale sehen? Nach all den Versuchen? Die Tour sollte ca. 3,5 Stunden gehen, das sollte doch eigentlich genug Zeit sein, oder? Telegraph Cove ist sehr beliebt für Whale Watching Touren, da es in dem Ruf steht, dass man hier besonders gute Chancen hat Orcas zu sehen. Also musste es doch klappen.

Die Tour begann um 13:00 Uhr mit einem mittelgroßen Boot und einer angenehmen Größe von Mitreisenden und schon nach ca. 10 Minuten entdeckten wir die ersten Tiere. Seehunde und Seelöwen, die entspannt auf ihren Felsen lagen.

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Seehunde auf dem Felsen

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Seelöwen

Kurz darauf zog dann auch noch eine Gruppe Delphine an unserem Boot vorbei, die waren allerdings schneller wieder weg, als man gucken konnte. Trotzdem hatte mich jetzt schon ein aufgeregtes Kribbeln erfasst. Das hier, das konnte wirklich etwas werden. Ich war ganz nah dran meinen großen Traum zu erfüllen.

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Eine Gruppe Delphine zieht an unserem Boot vorbei

Und dann sahen wir in der Ferne den ersten Blas. Das Boot beschleunigte und brachte uns in die Richtung, in der wir den ersten Wal entdeckt hatten. Tatsächlich tauchte er dann auch noch einmal unweit unseres Bootes erneut auf. Ich erhaschte einen ersten Blick auf den Rücken und die Fluke und war jetzt schon überglücklich. Zu diesem Zeitpunkt waren wir gerade einmal eine  halbe Stunde unterwegs gewesen. Konnte es noch besser werden?

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Walfluke

Oh ja, es konnte noch besser werden! Nach weiteren 15 Minuten erreichten wir das eigentliche Zielgebiet der Tour und um uns herum hörten wir immer wieder das unvergleichliche Geräusch wenn die Wale auftauchen. Zuerst waren da „nur“ die Fluken der abtauchenden Buckelwale. Sogar eine Mutter mit ihrem Kalb haben wir entdeckt.

Und dann erhob sich einer dieser Giganten aus dem Wasser und ließ sich mit lautem Platschen wieder zurückfallen. Ab da war ich einfach nur sprachlos und (ja, ich gebe es zu) ich habe auch zwei, drei Freudentränchen verdrückt.

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Buckelwal nach dem Sprung

Geöffnete Mäuler durchbrachen die Wasseroberfläche, schlossen sich und verschwanden langsam wieder in der Tiefe. Fast hatte ich das Gefühl diese Wale wollten für mich all die Enttäuschungen der letzten Jahre wieder wett machen. Insgesamt waren um uns herum zwanzig (20!) Buckelwale und irgendwann wusste ich garnicht mehr, wo ich hinschauen sollte. Und wir hatte all das für uns allein, denn außer unserem Boot war dort weit und breit niemand. Einfach nur wundervoll und für mich einzigartig!

Irgendwann ging es dann zurück zum Hafen und insgeheim hatte ich wohl gehofft auch noch Orcas zu sehen, aber man darf auch nicht zu viel auf einmal erwarten. Orcas haben sich auf der Tour leider nicht blicken lassen. Trotzdem hatte die gesamte Tour etwas sehr unwirkliches…

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Eine Landschaft wie aus einem Traum

Für mich war es ein unglaubliches Geschenk die Buckelwale zu sehen. Mein Traum ist endlich in Erfüllung gegangen und ich bin absolut glücklich und dankbar, dass ich das erleben durfte.

Ich habe mir meinen Traum erfüllt und werde diesen Moment bestimmt nie vergessen. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich solche Momente erleben darf. Hast du auch einen Traum den du dir unbedingt erfüllen möchtest oder hast du ihn dir vielleicht schon erfüllen können?

 

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